Thomas Mann  und Bad Tölz

Das Schnee-Kapitel im „Zauberberg“, das Zusammenfinden von „Mann und Hund“ oder das Haus, das in „Der Tod in Venedig“ Modell für den Landsitz des Protagonisten Gustav von Aschenbach stand: Rund um Bad Tölz finden sich zahlreiche Parallelen zwischen Realität und den hauptsächlich im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstandenen Werken Thomas Manns. „Da sich die Werke von Thomas Mann durch akribische Szenenbeschreibungen auszeichnen, sind die Zusammenhänge gut erkennbar“, erklärt Martin Hake – ein Tölzer, der sich der Thomas Mann Forschung verschrieben hat.

Schon von 1903 existieren Aufzeichnungen Manns, dass ihm Bad Tölz sehr gefiel und er dort einen Freund besuchen wolle. 1908 beschloss die inzwischen vierköpfige Familie ihren ersten Urlaub in Tölz zu verbringen: In der Villa Held in der Gaißacher Straße, die heute nicht mehr existiert.

Thomas Mann entschloss sich, ein Landhaus bauen zu lassen. Er beauftragte 1908 den Neffen Gabriel  von Seidls,  Hugo Röckl. Liebevoll als „Herrensitzchen“ bezeichnet, war es ein Rückzugsort vom Stadtleben in München, ein Ort der Ruhe und des ungestörten Schreibens:

„Ich bin gewohnt, im Zimmer zu arbeiten. Offener Himmel, meine ich, zerstreut die Gedanken. Im Sommer brauche ich wenigstens die Decke einer Veranda, eines Gartenhauses über dem Kopf, ein Gehäuse, das, sozusagen, die Atmosphäre des Werkes schützt.“ 

Seine Frau Katia Mann und die vier Kinder Erika, Klaus, Gottfried (Golo) und Monika hatten sich während seiner Arbeitszeit oder bei Besuch im Haus ruhig zu verhalten. Wenn der Vater dann aber das Ruhegebot aufhob, erlebten die Kinder eine Kindheit, die sie später nur noch als „traumhaft“ und „idyllisch“ beschreiben. So spielten diese oft auf Wiesen und Hügeln in der Umgebung, dem zauberhaften Wald hinter dem Haus oder in den Winkeln und Nischen des Gartens. Im nahegelegenen Klammerweiher, damals noch ein Badesee, lernte unter anderem Klaus Mann das Schwimmen. Ein paar Gehminuten weiter hinter dem Wald begann der mystische Waldfriedhof, zu dem das Kindermädchen Affa die Kinder manchmal mitnahm. Ein Erlebnis dort inspirierte Klaus Mann zu seiner 1926 erschienenen Kindernovelle.

Der erst Weltkrieg 1914 brachte die Wende. Golo Mann erzählt in seinem Werk „Erinnerungen und Gedanken“: „Es war schlimme Hungerszeit nun; die Bittgänge, welche meine Mutter zu den umliegenden Bauernhöfen machte und bei denen sie uns alle vier mitnahm aus Gründen, die man errät, blieben meist völlig vergeblich.“ Noch im selben Jahr bezog die Familie nach einem mühsamen Verkauf des Landsitzes ihr Haus in München.

(Auszug aus einem Text der damaligen Klasse 9a desGabriel-von-Seidl-Gymnasiums Bad Tölz von 2014)

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