Stele 5

das "Herrensitzchen"

Landhaus der familie mann


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Das "Herrensitzchen" - so nannte Thomas Mann sein Landhaus, das er 1909 mit seiner Familie bezog. Im Brief vom November 1908 schreibt er an seinen Freund Philipp Witkop: „Wir waren im Sommer in Tölz, dessen Luft uns so wohlthat, daß wir uns dort angekauft haben und uns ein Häuschen mit Blick auf den Ort, die Isar und das Gebirge bauen lassen.“ Eben dieses Landhaus begegnet dem Leser in "Tod in Venedig",
in jenem „rauhen Landsitz im Gebirge“, in dem die Hauptfigur Gustav von Aschenbach die regnerischen Sommer verbringt.
Im Garten des Landhauses befindet sich noch heute das steinerne Grab von Hund Motz, dem Vorbild für Hund Percy im Roman Königliche Hoheit. Der Abschied von Tölz ist überliefert durch den Brief Thomas Manns an Ernst Bertram vom Juli 1917: „Wir haben die Villa sehr angemessen verkauft vor einigen Tagen.“ Das Haus ist heute im Besitz des Ordens der Armen Schulschwestern und nicht öffentlich zugänglich.

"(…) erinnerte er sich seines Landsitzes in den Bergen, der Stätte seines sommerlichen Ringens, wo die Wolken tief durch den Garten zogen, fürchterliche Gewitter am Abend das Licht des Hauses löschten und die Raben, die er fütterte, sich in den Wipfeln der Fichten schwangen.“
Thomas Mann in Der Tod in Venedig

die anfänge


Nach Oberammergau und Seeshaupt beschloss die Familie Mann in Tölz die Villa Held (1968 abgerissen) in der Gaißacher Straße über den Sommer 1908 zu mieten. Sie gewannen die Schönheit des Isarwinkels so lieb, dass sie sich hier ansiedelten.
Der Bau des Landhauses begann am Montag, 28. September 1908. Die Pläne stammten vom Architekt Hugo M. Roeckl (1875-1944), Neffe von Gabriel von Seidl, der zu dem Zeitpunkt schon mehrere Gebäude in Tölz gebaut hatte. Thomas Mann trat mit dem Bau des Landhauses gewissermaßen das Erbe des Dichters Hans von Hopfen an. Bis zu dessen Tod hatte jener das Grundstück besessen und Pläne zu einem Landhaus waren bereits von Roeckl angefertigt. Thomas Mann kaufte das hektargroße Grundstück von den Erben – finanzieren ließ es sich durch die stetig wachsende Auflage der „Buddenbrooks“ – und überließ die Planung demselben Architekten, aber jetzt mit der Auflage „Es muss sehr einfach und billig“ sein.
Am 30. Juni 1909 veröffentlichte der Tölzer Kurier: „Eine hübsche Villa ist nunmehr fertig gestellt. Das Haus zeigt den eleganten französischen Stil eines Landhauses, dessen vordere Front und die Seitenwände mit grüngestrichenen Latten beschlagen sind, die einmal von einem Epheugewächs durchzogen sein werden. Das Haus ist von der Bairawieserstraße aus erreichbar und liegt hinter den Villen Hüls und Göbl, ein Platz der eine schöne Aussicht bietet.“

heute


Seit 1926 ist das Landhaus im Besitz des Ordens der Armen Schulschwestern. Für die Öffentlichkeit ist das Haus nicht zugänglich. Laut dem 3. Bürgermeister Christof Botzenhart sei es „das einzige authentische Thomas-Mann-Haus im deutschsprachigen Raum“, da andere Gebäude umgebaut oder gar abgerissen wurden. Von außen sieht die Villa noch fast genauso aus, wie zu Manns Lebzeiten, inmitten des riesigen Gartens. Innen erinnert kaum noch etwas an die Zeiten, in denen Thomas Mann mit seiner Familie hier gewesen war. Nur der Grundriss und ein kleines Schränkchen in seinem ehemaligen Arbeitszimmer sind noch erhalten.

zitat


Am 05. November 1910 unterzeichnete Thomas Mann den Zukauf von 0,351 ha und vergrößerte sein Grundstück somit auf 1.387 ha, wodurch der Garten seine endgültige Größe erhielt. In „Kind dieser Zeit“ erinnert sich Klaus Mann:
„In den ersten Sommern war der Garten nur halb so groß, als wir ihn später kannten, man kaufte ein Stück dazu, was zur Folge hatte, dass Klein-Monika sich in dem neuen, unbekannten Gartenteil verirrte und bitterlich weinen musste. Was denn hier für Leute wohnten, fragte sie, als sie unseres Hauses von einer ungewohnten Seite ansichtig wurde.“

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